NACH einer Vergesellschaftung bei uns

Wenn wir deine Tiere bei uns vergesellschaftet haben, kannst du sie in der Regel innerhalb von ein bis drei Wochen nach Beginn der Zusammenführung wieder zu dir nehmen. Im Laufe der Zeit konnten wir einige Erfahrungswerte sammeln, was den Umgang mit den Tieren bzw. deren Haltung nach einer Vergesellschaftung angeht. Insbesondere in Bezug auf den zur Verfügung stehenden Platz, das Vorhandensein von Unterschlüpfen sowie die Fütterung und Beschäftigung konnten wir in Bezug auf das dauerhafte Gelingen einer Vergesellschaftung klare Tendenzen beobachten.

Die Mehrheit der folgenden Aspekte sind aus tierschutzrechtlicher Sicht eher als fraglich zu beurteilen. Wir sind jedoch der Meinung, dass eine Vergesellschaftung eine Ausnahmesituation in der Tierhaltung darstellt. Auf lange Sicht hin haben sowohl der Halter als auch die Tiere selbst deutlich mehr von einer erfolgreichen Vergesellschaftung, auch wenn die Tiere in Bezug auf die äußeren Umstände temporär ein etwas schlechteres Leben als üblich geführt haben. Letztendlich ist es aber natürlich jedem Halter selbst überlassen, ob er die folgenden Ratschläge berücksichtigt oder die Kaninchen entsprechend der üblichen Vorschläge zur Tierhaltung unterbringt.

Wenig Platz

Bei uns erfolgen die Vergesellschaftungen auf relativ wenig Platz, es stehen 4 bis 8 Quadratmeter zur Verfügung. Natürlich sollten Kaninchen auf Dauer mehr Platz zur Verfügung haben, zunächst sollten sie sich aber ausführlich miteinander auseinandergesetzt haben. Wenn deine Tiere wenige Wochen nach dem Kennenlernen zu dir zurückkehren, empfehlen wir, ihnen zunächst nicht deutlich mehr Platz zur Verfügung stellen, damit sie sich nicht aus dem Weg gehen können und keine Teilterritorien bilden. Dies stellt eines der häufigsten Probleme nach Vergesellschaftungen dar. Große Gehege können zunächst verkleinert werden, Tiere, welche in freier Wohnungshaltung leben, können zunächst nur ein Zimmer zur Verfügung haben oder einen Teil der Wohnung eingegrenzt bekommen. Hierfür eignen sich z.B. handelsübliche Gehegeelemente. Nach unseren Erfahrungen funktioniert das Beisammensein der neuen Kaninchengruppe auf Dauer am besten, wenn man den zur Verfügung stehenden Platz bei großen Gehegen nur Stück für Stück erweitert.

Beispiele:

Dein Gehege für zwei Tiere ist 4 Quadratmeter groß und die Tiere haben üblicherweise jeden Tag mehrere Stunden Auslauf in deiner Wohnung:

Unsere Empfehlung: Lass deine Kaninchen zunächst für ein bis zwei Wochen ausschließlich in ihrem Gehege leben. Wenn du das Gefühl hast, dass sie sich wirklich gut verstehen, kannst du ihnen langsam immer mehr Raum zur Verfügung stellen. Zunächst könnten sie z.B. für erst einmal nur eine Stunde im Wohnzimmer umherhoppeln. Im Lauf der nächsten Wochen dürfen sie sich dann immer länger frei bewegen und immer mehr Räume deines Zuhauses gemeinsam erkunden. Stellst du fest, dass es zur Bildung einzelner Territorien und zu Streit kommt, stellst du wieder etwas weniger Platz zur Verfügung, bis die Beziehung der Tiere zueinander wieder harmonischer ist.

Dein Gehege für zwei Tiere ist z.B. 12 Quadratmeter groß:

Es ist natürlich toll, dass deine Tiere so viel Platz haben. In Bezug auf eine Vergesellschaftung ist es jedoch oft nicht zielführend, den Tieren direkt den gesamten Platz zur Verfügung zu stellen. Unsere Empfehlung:  Wir empfehlen, den bewohnten Teil des Geheges zunächst auf ca. 4 Quadratmeter zu beschränken. Hierfür eignen sich Gehegeelemente. Wenn das Zusammenleben der Tiere harmonisch ist, kannst du einige Tage (ein bis zwei Wochen) nach der Ankunft der Tiere bei dir das Gehege vergrößern. Hierfür kannst du einfach die Gehegeelemente bei Seite schieben und den Tieren so Stück für Stück mehr Platz zur Verfügung stellen. Kommt es zu Streit, kannst du temporär erneut verkleinern, danach vergrößerst du wieder. So bekommen die Tiere Stück für Stück ihr gesamtes „Reich“ zurück.

Deine Kaninchen leben in freier Wohnungshaltung:

Wir raten dringend (!) davon ab, Kaninchen nach einer Vergesellschaftung direkt in freie Wohnungshaltung zu überführen. Dies gelingt in den allermeisten Fällen nicht. Unsere Empfehlung: Stelle bitte zunächst ein Übergangs-Gehege auf. Hierfür kannst du Gehegeelemente verwenden, als Untergrund eignet sich bei Bedarf (wenn die Tiere sehr unrein sind und/oder du Echtholz-Boden oder anderen empfindlichen Bodenbelag verlegt hast) möglichst rutschfester PVC. Lass deine Kaninchen zunächst für ein bis zwei Wochen ausschließlich in ihrem Gehege leben. Wenn du das Gefühl hast, dass sie sich wirklich gut verstehen, kannst du ihnen langsam immer mehr Raum zur Verfügung stellen. Zunächst könnten sie z.B. für erst einmal nur eine Stunde im Wohnzimmer umherhoppeln. Im Lauf der nächsten Wochen dürfen sie sich dann immer länger frei bewegen und immer mehr Räume deines Zuhauses gemeinsam erkunden. Stellst du fest, dass es zur Bildung einzelner Territorien und zu Streit kommt, stellst du wieder etwas weniger Platz zur Verfügung, bis die Beziehung der Tiere zueinander wieder harmonischer ist. Sobald sich deine Tiere auch über längere Zeit in der Wohnung gut miteinander vertragen, kannst du das Übergangs-Gehege wieder abbauen.

Deine Kaninchen leben nachts in einem Gartengehege und dürfen tagsüber den gesamten Garten nutzen: 

Unsere Empfehlung: Erfahrungsgemäß klappt das Zusammenleben am besten, wenn du deinen Tieren zunächst nicht zu viele Freiräume gewährst. Daher raten wir dazu, die Tiere zunächst ausschließlich, das heißt auch tagsüber, im Gehege zu halten. Erst, wenn das Zusammenleben längerfristig gut funktioniert, sollten sie weitere Fläche zur Verfügung gestellt bekommen. Dies lässt sich nicht immer einfach realisieren, aber teilweise ist das Aufstellen eines kleineren Auslaufs innerhalb des großen Gartenauslaufs mit Hilfe von Gehegeelementen möglich und sinnvoll. So können die Tiere den Garten zunächst gemeinsam Stück für Stück erobern und die Gefahr der Entstehung einzelner Reviere ist deutlich geringer.

Keine Unterschlüpfe

Wir vergesellschaften Kaninchen ohne Unterschlüpfe. Dies entspricht natürlich nicht dem normalen Leben in der Natur und das angeborene Verhalten (Verstecken) kann so nicht ausgelebt werden, allerdings entspricht das Leben unserer Hauskaninchen in der Regel ohnehin nicht dem Leben ihrer wilden Artgenossen. In der Natur haben die Kaninchen sehr viel Platz zur Verfügung und können sich ausweichen (Rennen und Haken schlagen) oder Tunnel und Sträucher aufsuchen um sich zu verstecken, wenn sie ein anderes Tier meiden möchten. Die Kaninchen bewegen sich dann zügig fort, dem Verfolger ist oft nicht klar, wo genau sich das verfolgte Tier befindet. In der Heimtierhaltung ist die Situation eine ganz andere. Auch ein großes Gehege ersetzt nicht das Leben in der Natur. Wir haben festgestellt, dass es insbesondere bei Kämpfen in Unterschlüpfen zur Entstehung von Verletzungen kommt. Auch wenn ein Unterschlupf mehrere Ein- und Ausgänge aufweist, so finden die Tiere in Panik oft einen Ausweg. Dies führt dann verhältnismäßig häufig zu Verletzungen. Aus diesem Grund empfehlen wir, nach einer Vergesellschaftung zunächst alle kleinen Unterschlüpfe, welche weniger als einen halben Quadratmeter Grundfläche (100×50 cm) aufweisen, zu entfernen oder so zu stellen, dass die Eingänge nicht passierbar sind. Wir haben sehr gute Erfahrungen dabei gemacht, ca. eine Woche auf alle Unterschlüpfe zu verzichten. Danach kann dann ein Unterschlupf nach dem anderen in das Gehege gestellt werden. So können die Tiere gemeinsam die neuen Unterschlüpfe kennen lernen und es erfolgt im Idealfall keine Aufteilung der Unterschlüpfe zwischen den Tieren.

Erhöhte Ebenen 

Anstelle von Unterschlüpfen können den Tieren zunächst erhöhte Ebenen angeboten werden. Einerseits können sich die Tiere so zumindest ein wenig zurückziehen, andererseits können Verletzungen zum größten Teil vermieden werden. Erhöhte Ebenen können beispielsweise geschaffen werden, indem Häuschen zunächst falsch herum in die Ecken des Geheges gestellt werden, sodass die Eingänge in Richtung der Wände zeigen. Die Tiere können dann zwar die erhöhten Ebenen nutzen, Streit in und um das Innere der Unterschlüpfe kann jedoch vermieden werden.

Sonstige Einrichtung

Inbesondere in der ersten Zeit nach einer Vergesellschaftung kann es immer wieder zu Rangkämpfen kommen. Aus diesem Grund sollte sich gerade dann keine „gefährlichen“ Einrichtungsgegenstände Reich der Kaninchen befinden. Hierzu zählen vor allen Dingen Heuraufen. Kaninchen können sich bei Streit schnell in den Stäben der Heuraufen verfangen und schwer verletzen. Eines unserer Kaninchen hatte sich einmal aufgrund einer nicht abgedeckten Heuraufe den Fuß gebrochen – das war nicht schön. Daher unbedingt nur geschlossene Heuraufen verwenden und diese im Idealfall bei Rangkämpfen komplett entfernen und das Heu einfach auf den Boden oder in eine große Schale legen. Zum Thema Schale: Bitte keine Futternäpfe mit scharfen Kanten verwenden, auch dies kann ein Verletzungsrisiko darstellen. Ebenfalls als gefährlich zu beurteilen sind zu kleine Toiletten. Auch wenn Kaninchen prinzipiell gesund sind, verlassen sie bei Rangkämpfen oft nicht die Toiletten. Hier kann es dann zu schweren Verletzungen kommen. Wir empfehlen daher Toiletten mit einer Mindestgröße von einem halben Quadratmeter (z.B. 100 x 50 cm; Unterschale eines handelsüblichen Kaninchenkäfigs).

Fütterung 

Wir empfehlen, nur eine Frischfutterstelle und an mehreren Orten Heu anzubieten. Auch wenn ein Tier einen Tag lang nicht zum Frischfutter gelangt, wird es mit Sicherheit nicht verhungern. An der Frischfutterstelle treffen die Tiere immer wieder aufeinander. Gemeinsames Fressen verbindet und hilft den Tieren, sich miteinander anzufreunden. Daher raten wir dringend davon ab, für jedes Kaninchen einen einzelnen Napf Futter zur Verfügung zu stellen!

Beschäftigung

In der Zeit nach einer Vergesellschaftung sind die Tiere in der regel ausreichend mit sich selbst beschäftigt. Wir raten daher von Beschäftigungsmaßnahmen ab, bis die Tiere auch über längere Zeit harmonisch miteinander gelebt haben. So kann einer Überforderung vorgebeugt werden.